Eine unerwartete Begegnung, die mein Herz tief berührte

Vor zwei Tagen saß ich in einem überfüllten Zug. Kaum freie Plätze, Menschen mit schweren Gepäckstücken, das übliche Reisechaos. Als ich eine ältere Dame fragte, ob der Platz neben ihr frei sei, lächelte sie mild und sagte: „Eigentlich ist das der Platz meines Freundes. Aber er konnte heute nicht mitfahren. Setzen Sie sich gerne.“

Ich hatte keine Ahnung, dass ich mich für die nächsten drei Stunden neben einen Menschen setzen würde, der mich tief berühren sollte.

Sie war 76, Schweizerin, zweimal verwitwet. Und doch erzählte sie mir – mit leuchtenden Augen – dass sie seit einem halben Jahr wieder einen Freund habe. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagte sie. „Ich dachte, diese Art von Nähe kommt in meinem Leben nicht mehr.“

Ihr Freund, Anfang 70, lebt in Nordrhein-Westfalen. Jedes Wochenende besuchen sie sich. Man hörte es in jeder ihrer Worte: da war Liebe, Fürsorglichkeit, ein sanftes Miteinander, das sich wie ein Geschenk anfühlte.

Während sie sprach, strahlte sie eine Lebensfreude aus, wie ich sie selten erlebt habe. Tief, ruhig, leicht. Und ich spürte, wie dankbar ich war, dass ich genau diesen Platz neben ihr gewählt hatte.

Manchmal sind es Fremde, die uns in wenigen Stunden mehr geben, als manche Menschen in vielen Jahren.
Diese Begegnung war ein Geschenk.